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Juckreiz beim Hund

Beschreibung


Übersicht

von Dr. Regina Wagner

1. Allgemeines

Juckreiz (Pruritus) von Hunden ist sowohl für den Besitzer, als auch für das Tier, eine nahezu unerträgliche Situation. Er äußert sich nicht nur durch Kratzen, sondern auch Schlecken, Knabbern und Reiben sind ein Zeichen von Juckreiz. Im einfachsten Fall liegt nur ein massiver Flohbefall vor, der von jedem Besitzer mit adequaten Flohbekämpfungsprodukten (die effektivsten Flohmittel sind nur beim Tierarzt erhältlich) selbst behandelt werden kann.

Ist aber durch diese Maßnahme der Juckreiz nicht zu kontrollieren, sollte ein Tierarzt konsultiert werden. Viele Fälle werden zwar vorübergehend durch eine symptomatische Therapie mit Kortisoninjektionen besser, der Juckreiz kommt aber meist immer wieder und bedarf daher einer Abklärung der Ursache durch einen Tierarzt Ihres Vertrauens oder einen Veterinärdermatologen.
 
Dies ist in vielen Fällen ein langwieriger, zeitaufwendiger und kostenintensiver Prozeß, der sich aber in der Regel bezahlt macht, abgesehen von der potentiellen Gefahr langandauernder Kortisontherapie, die in vielen Fällen zu einer Erkrankung namens "Morbus Cushing" führt.

Pruritus gehört zu häufigen Beschwerden, wegen derer Patienten beim Tierarzt vorgestellt werden. Ob, wo und in welchem Maße Juckreiz besteht, ist ein ganz besonders wichtiges Kriterium für die Unterscheidung zahlreicher Hautkrankheiten. Wenn Ihr Tier an Juckreiz leidet wird der Tierarzt Ihnen folgende Fragen stellen:"Seit wann kratzt er sich, wo kratzt er sich, leckt oder knabbert er an den Pfoten, reibt er sein Gesicht, kratzt sich auch ein anderes Tier im Haus, haben Sie selbst Hautveränderungen, ist der Juckreiz zu jeder Jahreszeit gleich, ist der Juckreiz im Haus gleich wie im Freien, was war zuerst-der Juckreiz oder die Hautveränderung,…."
Mit der Beantwortung dieser vielen Fragen tragen Sie dazu bei, daß Ihr Tierarzt mit Hilfe weiterer Untersuchungen die Ursache des Juckreizes findet.

Juckreiz kann viele verschiedene Ursachen haben, wovon die häufigsten an dieser Stelle erklärt werden sollen:

 

2. Ektoparasiten

-Sarcoptesräude ist verursacht durch Grabmilben, die Tunnel in die Hornschicht der Haut graben. Diese Milben bevorzugen wenig behaarte Haut, sodaß sie am häufigsten auf Ohren, Ellbogen, Bauch und Sprunggelenken anzutreffen sind. Mit der Ausbreitung der Erkrankung können sie aber ausgedehnte Körperbereiche besiedeln. Diese Milbe (Sarcoptes scabiei var. ) befällt vorrangig Hunde, kann aber vorübergehend auch auf Katzen und Menschen übergehen. Neben massivem Juckreiz der Hunde, der bei Wärme oft verstärkt wird, findet man Hautveränderungen im Bereich der erwähnten Stellen. Da diese Erkrankung sehr ansteckend ist, sollte sie sofort tierärztlich behandelt werden.

-Demodikose

Die Haarbalgmilbe (Demodex canis) wird durch direkten Kontakt von der Hündin auf saugende neugeborene Welpen während der erste Lebenstage übertragen. Daher ist die Milbe in geringer Zahl auch bei gesunden Hunden anzutreffen. Bei Hunden mit geschwächtem Immunsystem (z.B. Junghunde oder erwachsene Hunde mit einer inneren Erkrankung oder einem Tumor) kommt es zu einer Vermehrung der Milben in den Haarfollikeln. Die lokale Junghundeform resultiert in haarlosen, schuppenden Stellen meistens im Gesicht und an den Vordergliedmaßen. Diese Hautveränderungen können mit und ohne Juckreiz einhergehen, verlaufen meist gutartig und heilen bei Junghunden meist spontan ab. Falls es aber zu einer generalisierten Form der Erkrankung kommt, wobei ausgedehnte Teile des Körpers betroffen sind, muß erstens eine zugrundeliegende Erkrankung gesucht werden, die durch Schwächung des Immunsystems eine derartige Vermehrung der Milben verursacht und zweitens muß in diesen Fällen mit einer langwierigen Behandlung gerechnet werden. Demodikose ist außer von der Mutterhündin zum Saugwelpen nicht übertragbar.

In Zuchtbeständen läßt sich immer wieder eine genetische Disposition feststellen. Durch Eliminierung von erkrankten Hunden aus den Zuchtprogrammen kann das Vorkommen von Demodikose drastisch reduziert werden.

-Cheyletiella

Die Cheyletiella-Dermatitis wird durch die Milbe Cheyletiella spp. ausgelöst und ist eine typische Jungtiererkrankung. Sie ist hochansteckend und kann neben Hunden auch Katzen und Menschen befallen. Diese Milben graben nicht, sondern leben in abgestorbenen Hautschuppen der Haut. Sieht man beim Welpen borkenartige Schuppen mit oder ohne Juckreiz besonders am Rücken, soll man als erstes an eine Cheyletiella-Dermatitis denken. Die Therapie wird vom Tierarzt durchgeführt und sollte wegen der hohen Ansteckungsgefahr ehest bald durchgeführt werden.

-Ohrenmilben

Otodectes cynotis ist eine Saugmilbe, die zur Bildung dicker, brauner Krusten in den Ohren führt. Sie können sich auf den äußeren Gehörgang beschränken, aber auch auf Hals, Kruppe und Schwanz gefunden werden. Es handelt sich um eine hochansteckende Erkrankung und ist besonders bei Jungtieren stark verbreitet.

-Flöhe

Wenn Sie keine Flöhe auf Ihrem Hund finden, jedoch schwarze kleine Kügelchen und Würstelchen, die sich mit Wasser benetzt rot verfärben, haben sie Flohkot gefunden.

Die erwachsenen Flöhe (Ctenocephalides felis) leben am Hund und legen dort ihre Eier ab. Diese fallen auf den Boden und befinden sich somit in der Umgebung des Tieres. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich vom Licht wegbewegen und sich daher in der Tiefe der Teppichfasern, unter Polstermöbeln und in Bodenritzen befinden. Die Larven verpuppen sich, die Puppen sind das resistenteste Stadium der Flohentwicklung, sie können, wenn kein Wirt vorhanden ist, ein Jahr lang in diesem Stadium bleiben. Ausgelöst z.B. durch Bodenvibrationen schlüpft aus der Puppe der Floh, der dann sofort auf Wirtsuche geht. Wenn kein Tier vorhanden ist, werden auch die Unterschenkel von Menschen genommen.

Da nur der erwachsene Floh sich am Tier befindet und alle Entwicklungsstadien in der Wohnung sind, ist es absolut notwendig, neben einer Behandlung des Tieres auch die Wohnung, das Auto, überhaupt alle Plätze, wo sich das Tier aufhält, zu entflohen. Am besten lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt über richtige Flohbekämpfung beraten.

 

3. Allergien

-Flohallergie

Die Flohallergie ist die häufigste allergische Hauterkrankung. Durch einen Flohbiß kommt der Hund mit dem Speichel des Flohs in Berührung, worauf er allergisch reagiert. Diese Krankheit ist unabhängig von der Anzahl der Flöhe, denn bereits wenige Flöhe können mit ihrem Speichel eine allergische Reaktion auslösen. Diese Hunde zeigen intensiven Juckreiz und Hautveränderungen besonders in der hinteren Hälfte, d.h. an der Kruppe, Schwanzansatz und den Hinterextremitäten. Bei diesen Patienten muß eine 100%ige, konsequente Flohkontrolle durchgeführt werden, da sie jedesmal, wenn ein Floh die Möglichkeit hat den Hund zu beißen, wieder mit diesen Hautveränderungen beginnen werden. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten, da in diesen Fällen Flohprodukte wie Bänder und Bäder keine Wirksamkeit haben.

-Atopie

Die Atopie ist eine Allergie auf Gräser, Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze. Der Mensch bekommt Asthma und das Tier einen Juckreiz. Typisches Alter des Krankheitsbeginns ist zwischen 6 Monaten und 3 Jahren. Bevorzugte Stellen des Juckreizes sind Gesicht, Ohren, Pfoten. Die Atopie beginnt mit Juckreiz ohne Hautveränderungen, führt aber durch das andauernde Kratzen sehr oft auch zu Hautveränderungen, die dann meist sekundär durch Bakterien infiziert werden und somit noch mehr jucken. Anfänglich ist diese Krankheit oft auf bestimmte Monate im Jahr beschränkt, führt aber im Laufe der Jahre meist zu einer ganzjährigen Erkrankung.

Die Diagnose stellt der Tierarzt anhand der Vorgeschichte, des klinischen Bildes und eines "Intrakutantests", oder Bluttests, bei welchen ermittelt wird, worauf Ihr Hund allergisch ist. Dann erfolgt eine Hyposensibilisierungstherapie, bei welcher Ihrem Tier die Allergene auf die es allergisch reagiert, in bestimmten Abständen injiziert werden. Eine Allergie ist keine heilbare, aber eine kontrollierbare Erkrankung, daher muß die Behandlung lebenslang durchgeführt werden.

-Futtermittelallergie

Bei der Futtermittelallergie kommt es zu einer Überrreaktion auf einen Eiweißbestandteil im Futter oder einen Konservierungsstoff. Der Hund entwickelt irgendwann im Leben einen massiven Juckreiz ohne typisches Verteilungsmuster, der wie oben erwähnt durch Kratzen zu sekundär infizierten Hautveränderungen führen kann. Diese Erkrankung tritt unabhängig davon auf, wielang ein Hund schon ein bestimmtes Futter bekommen hat. Die einzige sinnvolle Methode der Diagnose ist die sogenannte Eliminationsdiät, bei der Ihrem Hund über 2 Monate ein Futter gefüttert wird, daß er noch nie in seinem Leben bekommen hat. Da die Ursache auch Konservierungsstoffe sein können, ist es ratsam diese Diät selbst zu kochen und keine der kommerziell erhältlichen sogenannten "hypoallergenen Diäten" zu verwenden.

 

4. Bakterielle Hauterkrankungen

-Pyodermie

Durch Besiedlung der Haarfollikel mit Bakterien wie Staphylococcus intermedius kommt es zu juckenden Hautveränderungen, die mit roten Erhabenheiten (Papeln), Eiterpusteln, schuppenförmigen Kränzen (Collarette) und Krusten einhergehen. In chronischen Fällen kann die Haut sehr verdickt, borkig und dunkel pigmentiert erscheinen. Der Haarverlust resultiert aus der Entzündung des Haarfollikels. Eine bakterielle Infektion der Haut ist oftmals eine Sekundärerkrankung vieler verschiedener Primärerkrankungen. Der Tierarzt wird zuerst die Infektion mit geeigneten Antibiotika und Bädern und danach die Grundursache zu bekämpfen versuchen.

 

5. Sonstiges

-Malassezia-Infektion

Malassezia pachydermatis ist eine Hefe, die bei Tieren oft zu Hauterkrankungen mit Juckreiz führt. Das Tier präsentiert sich entweder mit massiven Ohrenproblemen oder gelblich, fettigen, schuppigen Hautveränderungen, besonders häufig am Hals und an den Pfoten. Außerdem entwickelt sich ein typischer "Hefegeruch". Diese Infektion kann wie bei den bakteriellen Infektionen erwähnt, sehr oft eine sekundäre Erkrankung diverser anderer Grundkrankheiten sein. Die Therapie besteht aus bestimmten Bädern und Waschungen und bei massivem Befall aus einer Tabletten-Kur.

-Akrale Leckdermatitis

Diese Erkrankung entsteht durch das zwanghafte Belecken des oberen Pfotenendes. Dadurch bildet sich eine ovale, gerötete Hautverdickung. Die Ursache kann psychisch (Langeweile, Baby, neuer Hund,…) oder organisch (Allergie, Bakterien, Fremdkörper) sein.

Die Therapie ist demnach Änderung der Lebensumstände oder Bekämpfung der Grundkrankheit, in vielen Fällen kann jedoch weder die psychische noch die organische Ursache gefunden werden, sodaß es nie zu einer Heilung der Leckdermatitis kommt.

-Pyotraumatische Dermatitis (hot spot)

Diese Erkrankung entsteht aufgrund einer Selbsttraumatisierung, die sich der Patient durch Juckreiz selbst zufügt. Oft ist ein hot spot eine Komplikation einer Flohallergie oder anderer allergischer Erkrankungen. Die intensive Traumatisierung führt innerhalb weniger Stunden zu schweren Läsionen. Die typische Hautveränderung ist rot, feucht und nässend. Wenn nicht sofort geeignete Maßnahmen eingeleitet werden, schreitet der Prozeß rasch fort.

-Otitis externa

Im Volksmund oft als "Ohrenzwang" bezeichnet. Die Entzündung des äußeren Gehörganges des Hundes ist eine häufige Erkrankung, die in verschleppten Fällen zu einer Mittelohr- oder gar Innenohrentzündung führen kann. Als Ursache kommen im einfachsten Fall Fremdkörper (sog. "Schliefhansln") vor, aber auch Bakterien, Hefen oder Milben. Viele chronische Ohrenprobleme sind ein Zeichen einer Atopie oder Futtermittelallergie und bedürfen daher nicht nur symptomatischer Ohrenreinigung und Behandlung sondern auch einer Allergiediagnostik. Prinzipiell ist eine Reinigung der Ohren durch den Laien abzulehnen, da mit Wattestäbchen meist mehr geschadet als genützt wird. Erstens wird der Ohrenschmutz noch tiefer hineingeschoben und zweitens kommt es bei dem ohnehin stark entzündeten Ohr leicht zur Traumatisierung.


Allergien beim Hund



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