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Bakterielle Störenfriede: Zahnhygiene nutzt auch Haustieren mit Mundgeruch

Zu Claudia Kellermeier kommen täglich besorgte Hunde- und Katzenbesitzer, alle mit derselben Frage: „Mein Tier riecht aus dem Maul – ist das normal?“ Claudia Kellermeier ist Tierärztin und Leiterin der Zahnsprechstunde an der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin, und ihre Diagnose lautet: Mundgeruch bei Tieren ist weit verbreitet, doch harmlos ist er nicht.

Er deutet immer auf gesundheitliche Probleme mit den Zähnen hin. „Erstes Anzeichen und ein sicheres Indiz ist der Mundgeruch. Manche Tiere fressen auch nicht mehr richtig oder haben Probleme zu kauen. Viele Katzen führen die Pfote ans Mäulchen, als ob sie versuchten, sich etwas aus den Zwischenräumen der Zähne zu entfernen“, so Claudia Kellermeier.

Die Tierärztin erforscht Mundgeruch bei Haustieren. In einer Studie untersuchte die Wissenschaftlerin gemeinsam mit ihrer Kollegin, Veterinärmedizinerin Bärbel Rühe, die Ursache des unangenehmen Atems an 100 Hunden. Diese verglichen sie mit dem Phänomen beim „Zweibeiner“: Bei 70 Prozent der geplagten Menschen liegt der Ursprung des unangenehmen Atems in der Mundhöhle, nämlich an Belägen auf der Zunge.

Auf der Spur des faulen Odems unternahmen die Tierärztinnen zunächst einen Riechtest, um zu klären, ob der eigenen Nase bei der Diagnose zu trauen ist. Sie schnupperten den Tieren dicht am Maul entlang, klassifizierten die Probanden nach vier Geruchsgraden und rückten ihnen dann mit wissenschaftlichem Gerät zu Leibe, einem „Halimeter“.

Mit dem Halimeter werden flüchtige Schwefelverbindungen im menschlichen Mund gemessen. Diese entstehen aus der Tätigkeit von Bakterien, die dort siedeln und helfen, Eiweiß zu verdauen.

Bauen die Bakterien jedoch zu viel Eiweiß ab, bilden sie schwefelhaltige Stoffwechselprodukte – diese nehmen wir als Mundgeruch wahr. Um herauszufinden, ob das auch für Hunde gilt, bauten die Veterinärmedizinerinnen den Halimeter für die Vierbeiner um und maßen die Konzentration von Schwefel in den Mäulern: Tatsächlich wiesen sie die chemischen Verbindungen nach, und das in weit höheren Mengen als bei Menschen.

Kein Wunder, dass der strenge Geruch viele Tierhalter bekümmert. Weitere Untersuchungen ergaben, dass es grundsätzlich die gleichen Bakterien bei Tier und Mensch sind, die die übel riechenden Verbindungen produzieren.

„Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Es gibt einen direkten Zusammenhang von Geruch und Gesundheit der Zähne – bei allen Hunden, bei denen wir Mundgeruch wahrgenommen haben, konnten wir erhöhte Schwefelverbindungen im Maul nachweisen, und alle diese Hunde hatten Zahnprobleme“, berichtet Claudia Kellermeier. Im Unterschied zum Menschen sind bei Hunden aber nicht die Zungen Bakterienherd, sondern ausschließlich die Zahnfleischtaschen.

Auch bei Tieren sind Plaque und Zahnbelag eine Ursache schwerer Zahnerkrankungen: Das Zahnfleisch kann sich entzünden, sogar zurückbilden, und die Zähne ausfallen.

80 Prozent der Hunde und Katzen über zwei Jahre haben zumindest erste Anzeichen von Schädigungen der Zahnhalterung. In diesen Fällen sollten Besitzer ihre Vierbeiner in die Hände eines Tierarztes geben, damit dieser die Beläge mit einem Ultraschallgerät entfernt – das lassen sich Hunde und Katzen aber nur unter Narkose gefallen.

Damit sich die Haustiere nicht allzu häufig einer solchen kleinen Operation unterziehen müssen, können Tierbesitzer die bakteriellen Störenfriede entfernen – das geht wie beim Menschen am besten mit Zähneputzen. „Auch bei Tieren sollte man auf die Putzrichtung und die richtige Technik achten“, rät Claudia Kellermeier: „Man muss aber nicht dreimal täglich putzen, einmal genügt“.

Die Tierärztin hält selbst einen Hund und eine Katze und weiß, dass es ratsam ist, bereits im Welpenalter mit der Zahnpflege zu beginnen – eine betagte Katze fährt schon einmal die Krallen aus, wenn Frauchen oder Herrchen auf einmal zum Zähneputzen anrückt. Das Maul ihres Vierbeiners sollten die Besitzer mit einer kleinen, weichen Bürste putzen oder mit einer Tierzahnbürste. Falls der Vierbeiner die Bürste nicht mag, genügt es für den Anfang, die Zähne mit einem weichen Tuch um den Finger abzureiben.

Für Tierhalter, die ihren Lieblingen noch nicht regelmäßig die Zähne putzen, gilt: der eigenen Nase trauen und den strengen Geruch aus dem Maul ernst nehmen. Die erste Diagnose ist so einfach wie zuverlässig – und ein künstliches Gebiss gibt es für Haustiere noch nicht.

Von Kerrin Zielke

Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin

 

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